Eine herbstliche Reise

Eine herbstliche Reise

Der Herbst äußert sich mit seiner gewohnten Darbietung: Blätter rieseln herab, Nieselregen trommelt auf Regenschirmen, Wasserringe tanzen auf den Tümpeln, man haucht sich in die feuchtkalten Hände. Wer würde denken, dass sich über der Wolkendecke eine Sensation abspielt: Eine Metallkugel mit dem Durchmesser eines Wagenrads beginnt auf der anderen Seite des Firmaments den Erdbewohnern eine Nachricht zu funken. Es ist der 4. Oktober 1957, und wer da von ganz oben zu uns piept, ist Sputnik 1.

Die Raumfahrt hat von Anbeginn etwas Größenwahnsinniges: Da maßt sich eine Spezies an, die im Vergleich zu den Äonen der Evolution, nur so lange besteht, wie ein Fingerschnippen, der Gleichgültigkeit des Kosmos entgegen zu treten. Der Fantast wagt es, auf ein funkelndes Pünktchen im Nachthimmel zu deuten, und zu sagen: „Den Weg schaffen wir!“, während er sein Dasein bei solchen Größenordnungen in kein Verhältnis zu setzen vermag. Nicht einmal auf der Erde.

Und doch hing die kühnste Errungenschaft des Menschen damals am seidenen Faden. Da sassen alle an ihren Funkgeräten, und warteten demütig auf ein Zeichen von oben: Auf die banale Tonfolge des Sputniks. So geschehen an einem Tag wie heute, an dem man sich in die Faust haucht und nichts dabei denkt, als dass der Herbst einbricht.

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